Sicherheitsmaßnahmen
Wir legen höchsten Wert auf Datenschutz, Integrität und Verfügbarkeit der Daten unserer Kunden. Gesundheitsdaten gehören zu den besonders schützenswerten personenbezogenen Daten – entsprechend wurde labcomplete® von Grund auf nach modernen Sicherheitsstandards entwickelt und ist an den geltenden Compliance-Anforderungen ausgerichtet, insbesondere der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem österreichischen Gesundheitstelematikgesetz 2012 (GTelG 2012).
Nachfolgend erhalten Sie eine Übersicht über die implementierten Sicherheitsvorkehrungen und die dahinterstehenden Prinzipien. Aus Sicherheitsgründen beschreiben wir die Maßnahmen auf konzeptioneller Ebene und verzichten bewusst auf Details zu einzelnen Produkten oder Komponenten.
Netzwerksicherheit
Transportverschlüsselung
Sämtliche Verbindungen zu labcomplete® – sowohl über die Weboberfläche als auch über die Programmierschnittstellen (APIs) – werden ausschließlich verschlüsselt über HTTPS mit TLS 1.2/1.3 aufgebaut. Dadurch sind alle Daten auf dem Übertragungsweg gegen Mitlesen und Manipulation geschützt. Unverschlüsselte Verbindungen werden nicht angenommen.
Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um eine Transportverschlüsselung, die den Kommunikationsweg absichert. Die Vertraulichkeit der Daten wird darüber hinaus durch eine strenge Zugangs- und Berechtigungskontrolle sichergestellt (siehe unten) – nicht jeder, der eine Verbindung aufbauen kann, erhält Zugriff auf Daten.
Zugang und Netzwerkabsicherung
Eingehender Datenverkehr wird zunächst über einen vorgelagerten Load Balancer (betrieben im österreichischen Exoscale-Rechenzentrum) entgegengenommen und verteilt. Der eigentliche Zugang zu Daten und Funktionen wird jedoch nicht auf Netzwerkebene entschieden, sondern durch Authentifizierung und Autorisierung: Keine Anfrage erreicht schützenswerte Daten, ohne dass eine gültige, über OIDC/OAuth 2.0 authentifizierte Sitzung mit den passenden Berechtigungen vorliegt.
Ergänzend wird der Betrieb kontinuierlich auf ungewöhnliche Muster und verdächtige Aktivitäten überwacht, sodass Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können.
Zugriffskontrolle & Authentifizierung
Rollenbasierte Berechtigungen (RBAC)
Der Zugriff auf Daten und Funktionen ist durchgängig über eine rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC) geregelt. Jede Benutzerin und jeder Benutzer erhält ausschließlich jene Berechtigungen, die für die jeweilige Aufgabe erforderlich sind (Prinzip der minimalen Rechtevergabe). Die technische Durchsetzung stellt sicher, dass eine Verarbeitung von Daten außerhalb der zulässigen Rolle nicht möglich ist – unabhängig davon, über welchen Weg eine Anfrage gestellt wird.
Zusätzlich werden die Daten unterschiedlicher Kunden und Mandanten logisch voneinander getrennt, sodass ein Zugriff immer auf den eigenen, berechtigten Datenbestand beschränkt bleibt.
Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA)
Ein hohes Schutzniveau erfordert eine verlässliche Bestätigung der Benutzeridentität. labcomplete® setzt daher durchgängig auf eine mehrstufige Authentifizierung, die einen wirksamen Schutz vor unbefugter Nutzung mit einem praktikablen Arbeitsablauf verbindet.
- MFA für alle Benutzerkonten aktiv
- Zur Auswahl stehen zwei Verfahren:
- Einmalpasswörter (OTP) über einen Hardware-Authenticator oder eine App
- SMS-basierte Verifizierung
Die Sicherheit eines Benutzerkontos hängt wesentlich von der sicheren Nutzung durch den Anwender selbst ab. Falls Benutzer ihre Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) Tokens teilen, liegt die Verantwortung für die Integrität des Accounts beim Nutzer. Wir können in einem solchen Fall keine Haftung für unbefugten Zugriff oder potenziellen Datenmissbrauch übernehmen. Wir empfehlen, MFA-Tokens niemals zu teilen und regelmäßig die Sicherheitseinstellungen zu überprüfen.
Identitäts- und Zugriffsmanagement (IAM)
Die Verwaltung von Identitäten und Berechtigungen erfolgt zentral über etablierte, offene Standards – Single Sign-On (SSO), OAuth 2.0 und OpenID Connect (OIDC). Dadurch werden Benutzeridentitäten und -rechte einheitlich, nachvollziehbar und sicher verwaltet.
Datensicherheit & Datenschutz
Verschlüsselung der gespeicherten Daten („Encryption at Rest“)
Neben der Absicherung des Übertragungswegs werden auch die ruhenden Daten geschützt:
- Dateien und Dokumente (insbesondere PDFs und HL7-Nachrichten) werden verschlüsselt abgelegt.
- Sämtliche Datenbanken sind mit aktuellen Verschlüsselungsverfahren gesichert.
Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines direkten Zugriffs auf die Speicherebene bleiben die Daten dadurch geschützt.
Datenschutz & Compliance
- DSGVO-Konformität: labcomplete® ist auf die Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung ausgelegt. Dazu zählt auch die Möglichkeit zur Löschung personenbezogener Daten gemäß Art. 17 DSGVO („Recht auf Vergessenwerden“).
- Hosting in Österreich: Produktionsdaten werden im Wiener Rechenzentrum der A1 Telekom gehostet, betrieben durch Exoscale. Speicherung und Verarbeitung der Produktionsdaten erfolgen damit in Österreich.
- Zertifizierungen des Rechenzentrums: unter anderem ISO 9001 und ISO/IEC 27001 – Details unter Exoscale Compliance.
Datenverbleib und klar begrenzte Ausnahmen
Produktions- und Patientendaten werden grundsätzlich ausschließlich in unserer österreichischen Infrastruktur verarbeitet und gespeichert. In zwei klar definierten Fällen verlassen begrenzte Daten diese Umgebung – dabei jedoch niemals personenbezogene oder sensible (medizinische) Daten:
- KI-gestützte Funktionen: Für Funktionen wie den KI-Parameter-Assistenten werden an das Sprachmodell ausschließlich anonymisierte Kontextdaten übermittelt (etwa Alter, Geschlecht und Versicherungsstatus). Keine personenbezogenen Daten – kein Name, keine Sozialversicherungsnummer, keine Adresse – und keine Patientendaten verlassen dabei unsere Infrastruktur. Die gesamte KI-Kommunikation läuft ausschließlich über EU-Infrastruktur.
- E-Mail-Versand über die Plattform: Von der Plattform versendete E-Mails (z. B. Benachrichtigungen) können betriebliche Produktionsdaten enthalten, jedoch keine personenbezogenen oder sensiblen Daten.
Ausrichtung am Gesundheitstelematikgesetz (GTelG 2012)
In Österreich regelt das Gesundheitstelematikgesetz 2012 (GTelG 2012) die Datensicherheit bei der elektronischen Übermittlung von Gesundheitsdaten zwischen Gesundheitsdiensteanbietern – etwa zwischen Ordination und Labor. Die Sicherheitsarchitektur von labcomplete® ist an den Anforderungen dieses Gesetzes ausgerichtet. Nachfolgend erläutern wir, wie die zentralen Grundsätze adressiert werden.
Vertraulichkeit der Übermittlung
Das Gesetz sieht für die vertrauliche Übermittlung von Gesundheitsdaten zwei gleichwertige Wege vor: entweder eine vollständige, empfängerspezifische Verschlüsselung der Daten oder die Übermittlung über einen abgesicherten, zugangsbeschränkten Kanal mit Authentifizierung und einer klar abgrenzbaren Benutzergruppe.
labcomplete® setzt auf den zweiten Weg: Die Übermittlung zwischen Ordination und Labor erfolgt innerhalb der Plattform über transportverschlüsselte Verbindungen, und der Zugang ist auf einen authentifizierten, klar definierten Kreis von Gesundheitsdiensteanbietern beschränkt. Die Vertraulichkeit wird also durch die Kombination aus verschlüsseltem Transport und strenger Zugangskontrolle gewährleistet – ein vom Gesetz ausdrücklich vorgesehener, gleichwertiger Ansatz. Genau dieser abgesicherte digitale Weg tritt an die Stelle unsicherer Übermittlungsformen wie dem Fax.
Rollen und Zugriffsberechtigung
Das Gesetz verlangt, dass die Zulässigkeit einer Verarbeitung über Rollen abgebildet und technisch durchgesetzt wird. Dies deckt sich unmittelbar mit dem oben beschriebenen RBAC-Modell: Ein Zugriff außerhalb der zulässigen Rolle ist technisch ausgeschlossen.
Identität und Authentifizierung
Jeder Zugriff ist einer authentifizierten Identität zugeordnet. Über die mehrstufige Authentifizierung (MFA) und die zentrale Identitätsverwaltung wird sichergestellt, dass ausschließlich bekannte, berechtigte Teilnehmer auf Daten zugreifen.
Integrität
Die Daten sind gegen unbemerkte Veränderung zu schützen. Über den abgesicherten, authentifizierten Kanal zwischen im Vorhinein bekannten Teilnehmern wird die Unverfälschtheit der übermittelten Daten durch den geschützten Transportweg und die durchgängige Zugangskontrolle gewährleistet.
Diese Übersicht beschreibt die Sicherheitsmaßnahmen der labcomplete®-Plattform und deren Ausrichtung am GTelG 2012. Jeder Gesundheitsdiensteanbieter (Ordination, Labor) bleibt für die Erfüllung seiner eigenen gesetzlichen Verpflichtungen verantwortlich. Für detaillierte Nachweise oder eine vertiefte Sicherheitsdokumentation stehen wir gerne zur Verfügung.
Software- & Anwendungssicherheit
Secure Coding & Softwareentwicklung
Sicherheit beginnt bei der Entwicklung. Wir orientieren uns an den Secure-Coding-Praktiken der OWASP Top 10 und schützen damit gezielt vor den häufigsten Sicherheitsrisiken wie SQL Injection, Cross-Site-Scripting (XSS) oder Cross-Site-Request-Forgery (CSRF). Ergänzt wird dies durch regelmäßige Code-Reviews und automatisierte Sicherheitsprüfungen.
Regelmäßige Sicherheitsupdates
Sicherheitslücken entstehen häufig durch veraltete Komponenten. Deshalb werden alle Infrastruktur- und Softwarekomponenten kontinuierlich aktuell gehalten, und Aktualisierungen von Drittanbieter-Bibliotheken werden automatisiert eingespielt, um bekannte Schwachstellen zeitnah zu schließen.
Backup & Disaster Recovery
Automatische Datensicherung
Um Datenverlust vorzubeugen, werden alle Kundendaten automatisch und verschlüsselt gesichert. Die Backups werden 30 Tage lang aufbewahrt und geografisch getrennt gespeichert, sodass sie auch bei einem Ausfall des Primärstandorts verfügbar bleiben.
Disaster Recovery & Notfallmanagement
Eine erprobte Disaster-Recovery-Strategie stellt sicher, dass der Betrieb im Ernstfall mit minimaler Ausfallzeit wiederhergestellt werden kann.
Monitoring & Incident Response
Echtzeitüberwachung & Anomalieerkennung
Systeme und Sicherheit werden rund um die Uhr (24/7) überwacht. Auffällige oder verdächtige Aktivitäten werden automatisch erkannt und gemeldet, sodass zeitnah reagiert werden kann.
Sicherheitsvorfälle & Reaktionsprozesse
Für den Fall eines Sicherheitsvorfalls bestehen definierte Incident-Response-Prozesse. Vorfälle werden lückenlos dokumentiert, behandelt und im Anschluss ausgewertet, um daraus Verbesserungen abzuleiten.
Regelmäßige Security Audits & Penetrationstests
Zur unabhängigen Bestätigung unseres Sicherheitsniveaus lassen wir regelmäßig Sicherheitsprüfungen und Penetrationstests durch externe Spezialisten durchführen (Certitude Consulting). So werden potenzielle Schwachstellen proaktiv identifiziert und behoben, bevor sie zum Risiko werden.
Zusammenfassung
labcomplete® kombiniert Transportverschlüsselung, Verschlüsselung der gespeicherten Daten, strenge rollenbasierte Zugriffskontrollen, mehrstufige Authentifizierung und kontinuierliches Monitoring zu einem umfassenden Sicherheitskonzept – gehostet ausschließlich in Österreich und ausgerichtet an DSGVO und GTelG 2012. Durch unabhängige Sicherheitsüberprüfungen und bewährte Entwicklungspraktiken gewährleisten wir einen höchstmöglichen Schutz der Daten unserer Kunden.
Falls Sie weitere Fragen zur Sicherheit unserer Lösung haben oder eine detaillierte Sicherheitsdokumentation benötigen, stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.